Rede zum Gründungsgottesdienst der Ev. Kirchengemeinde Bad Emstal Sand-Merxhausen
Sehr geehrte Pfarrerin Schmitt und Pfarrer Holstein,
liebe Mitglieder des Kirchenvorstandes,
verehrte Festgemeinde,
vielen Dank für die freundliche Einladung bei diesem Gründungsgottesdienst ein paar Worte im Namen der Gemeinde Bad Emstal an Sie richten zu dürfen. Hierzu habe ich mir natürlich eine Rede vorbereitet, aber als Bürgermeister gibt es ein paar Daten, die muss man einfach im Kopf haben.
Wenn es beispielsweise um das Gründungsjahr unserer Gemeinde geht, dann kommt fast reflexartig das Jahr der Gebietsreform 1972 raus. In diesem Jahr ist die Gemeinde Emstal mit ihren vier Ortsteilen auch gegründet worden. Jedoch gab es schon davor die Gemeinde Emstal. 1967 haben sich nämlich die Orte Merxhausen und Sand zur neuen Gemeinde Emstal zusammengeschlossen. Gefeiert wurde dies mit einem Riesen-Feuerwerk.
Heute gibt es zwar kein Feuerwerk, aber die Kirchengemeinden scheinen sich 58 Jahre später trotzdem an der politischen Gemeinde ein Beispiel zu nehmen.
So ein Schritt muss aber gut überlegt sein und ist auch immer mit Sorgen und Ängsten verbunden. Ich war zwar vor 58 Jahren nicht bei der Gründung von Emstal dabei, aber ich habe mich bei der Gründung von Wesertal mit den Verantwortlichen ausgetauscht. Diese haben mir erzählt, dass viele nicht die Sorge davor hatten, durch die Fusion etwas zu verlieren. Sie hatten die Sorge, dass sie ohne Veränderung stehen bleiben oder zurückfallen werden.
Dieser Gedanke steht für mich auch hinter der Jahreslosung: „Prüft alles und behaltet das Gute!“ Man hätte sich keinen besseren Zeitpunkt für die Gründung der neuen Evangelischen Kirchengemeinde Bad Emstal Sand-Merxhausen aussuchen können als im Jahre dieser Losung. Was ist denn das Gute, was wir mit dieser Veränderung behalten? Es ist die Gemeinschaft. Gemeinschaft zeichnet doch eine Kirchengemeinde aus und dafür braucht man ausreichend Ressourcen, um den Zusammenhalt zu pflegen und wachsen zu lassen. Dies soll der Zusammenschluss ermöglichen und nun wird es darum gehen, sich einzubringen und sich dafür einzusetzen, dass es der Beginn einer Erfolgsgeschichte wird; dass man tatsächlich das Gute behalten hat.
Und wissen Sie: Damit hätte meine vorbereitete Rede eigentlich abgeschlossen, aber die letzten Wochen und insbesondere die letzten Tage haben mir noch einen weiteren, zentralen Aspekt von Kirche deutlich werden lassen, den ich ergänzen möchte. Die Kirche, die Gemeinschaft im Glauben, gibt Halt in schwierigen und unsicheren Zeiten. Diesen Halt brauchen wir als Gemeinde und als Gesellschaft sehr dringend. In einer Phase voller Veränderungen, wo wir stärker Prioritäten setzen müssen, wo wir alles prüfen und das Gute behalten werden, bringen Konstanten Ruhe hinein.
Bei dem heutigen Zusammenschluss bildet die Verlässlichkeit von Kirche eine Konstante in unserer Gemeinde, die mit diesem Schritt erhalten bleiben wird. Die Verlässlichkeit, ansprechbar zu sein und sich in unserer Gemeinde zu engagieren.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und ich freue mich auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit der neuen Evangelischen Kirchengemeinde Bad Emstal Sand-Merxhausen!“